Team-Resilienz: Warum manche Teams Krisen meistern und andere daran zerbrechen

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Team-Resilienz stärken

Kennst du das? Ein Projekt gerät ins Stocken, die Deadline rückt näher, und plötzlich wird aus produktiver Zusammenarbeit ein angespanntes Nebeneinander. Manche Teams wachsen in solchen Momenten über sich hinaus. Andere brechen auseinander. Der Unterschied? Team-Resilienz. In diesem Artikel erfährst du, wie du Team-Resilienz aufbauen kannst mit praxiserprobten Strategien, die wirklich funktionieren.

Team-Resilienz aufbauen

Was ist Team-Resilienz – und was ist es nicht?

Team-Resilienz ist nicht einfach nur „durchhalten“. Es ist auch nicht das, was passiert, wenn alle im Team ihre Zähne zusammenbeißen und hoffen, dass es irgendwie schon vorbeigehen wird.

Team-Resilienz ist die Fähigkeit eines Teams, mit Herausforderungen, Rückschlägen und Veränderungen umzugehen ohne dabei auseinanderzubrechen.

Resiliente Teams

  • erholen sich schneller von Rückschlägen
  • lernen aus Fehlern, statt sie unter den Teppich zu kehren
  • kommunizieren auch dann offen, wenn es unangenehm wird
  • unterstützen sich gegenseitig, statt sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben
  • finden kreative Lösungen, auch wenn der ursprüngliche Plan nicht funktioniert

Klingt nach Wunschdenken? Ist es aber nicht. Denn Team-Resilienz lässt sich aufbauen. Sie entsteht nicht von selbsaber mit den richtigen Werkzeugen und etwas Übung kannst du sie entwickeln.

Der Unterschied zwischen individueller und Team-Resilienz

Vielleicht kennst du schon Strategien für deine persönliche Resilienz. Atemübungen, Pausen nehmen, bewusste Entspannung. Das ist wichtig und richtig.

Aber Team-Resilienz ist mehr als die Summe einzelner resilienter Menschen.

Ein Team kann auch dann resilient sein, wenn nicht jedes Mitglied ständig in Topform ist. Weil die Stärke in der Verbindung liegt, im gemeinsamen Tragen, im Auffangen.

Und umgekehrt kann ein Team aus lauter resilienten Einzelkämpfern trotzdem brüchig sein, wenn die Verbindung fehlt.

Die drei Säulen resilienter Teams

Was macht Teams widerstandsfähig? Nach meiner Erfahrung stehen resiliente Teams auf drei tragfähigen Säulen:

1. Psychologische Sicherheit

Das Fundament jeder Team-Resilienz ist psychologische Sicherheit. Das bedeutet: Jeder im Team kann seine Meinung sagen, Fehler zugeben und um Hilfe bitten, ohne Angst vor Abwertung oder negativen Konsequenzen.

In Teams mit psychologischer Sicherheit ist es ok zu sagen:

  • „Das verstehe ich nicht, könnt ihr das nochmal erklären?“
  • „Ich hab einen Fehler gemacht.“
  • „Ich schaffe das gerade nicht allein.“
  • „Ich sehe das anders als ihr.“

Klingt selbstverständlich? Ist es leider nicht. In vielen Teams herrscht eher eine Kultur des „bloß keine Schwäche zeigen“. Das Ergebnis: Probleme werden verschleppt, Fehler vertuscht, Überforderung verschwiegen. Und wenn es dann kracht, ist die Überraschung groß.

Die entscheidende Frage für dein Team: Können alle im Team offen sagen, wenn sie überfordert sind oder etwas nicht verstehen? Oder gibt es ein unausgesprochenes „Wir müssen immer stark sein“?

2. Echte Verbindung

Unter Druck ziehen sich viele Menschen zurück. Jeder kämpft für sich. Dabei ist gerade dann echte Verbindung so wichtig.

Und mit Verbindung meine ich nicht oberflächliche Team-Events oder erzwungene Kennenlernrunden. Ich meine das Gefühl: „Ich werde hier wirklich gesehen. Die anderen interessieren sich für mich, nicht nur für meine Leistung.“

Verbindung entsteht durch:

  • Zeit und Raum für Gespräche jenseits der Aufgabenliste. Ein kurzer Check-in am Morgen: „Wie geht’s dir?“ und dann auch wirklich zuhören
  • Gemeinsame Erlebnisse. Die müssen nicht spektakulär sein. Manchmal reicht ein gemeinsamer Spaziergang in der Mittagspause
  • Interesse aneinander als Menschen, nicht nur als Funktionsträger

Verbindung kann man nicht erzwingen. Aber man kann Räume schaffen, in denen sie entstehen kann.

3. Gemeinsamer Sinn

Warum machen wir das hier eigentlich? Diese Frage wird unter Druck besonders wichtig.

Resiliente Teams haben ein gemeinsames „Warum“, das größer ist als einzelne Projekte oder Deadlines. Sie wissen, wofür sie sich anstrengen. Und dieses gemeinsame Ziel trägt sie durch schwierige Phasen.

Das gemeinsame Warum muss nicht weltbewegend sein. Es kann auch sein: „Wir wollen als Team gut zusammenarbeiten und uns gegenseitig unterstützen.“ Oder: „Wir wollen Lösungen schaffen, auf die wir stolz sein können.“

Wichtig ist, dass es echt ist. Und dass es alle kennen und mittragen.

Warum Teams unter Druck auseinanderfallen

Vielleicht hast du es schon erlebt: Ein Team funktioniert prima, solange alles glatt läuft. Aber sobald es stressig wird, kippt die Stimmung. Plötzlich wird geschwiegen, gemauert, sich gegenseitig die Schuld zugeschoben.

Was passiert da?

Stress aktiviert alte Überlebensmuster

Unter Druck schaltet unser Nervensystem in einen Überlebensmodus. Und der kennt drei Strategien: Kampf, Flucht oder Erstarrung.

Im Team bedeutet das:

  • Kampf: Konflikte eskalieren, es wird laut, Vorwürfe fliegen hin und her
  • Flucht: Menschen ziehen sich zurück, kommunizieren nicht mehr, machen Dienst nach Vorschrift
  • Erstarrung: Keiner traut sich, etwas zu sagen oder zu tun, aus Angst, etwas falsch zu machen

All das ist eine normale Reaktion des Nervensystems. Aber für die Zusammenarbeit ist es Gift.

Wenn die Verbindung verloren geht

Unter Stress wird das „Wir“ schnell zu einem „Ich“. Jeder ist sich selbst der Nächste. Die Sorge um die eigene Haut überlagert die Sorge ums Team.

Resiliente Teams haben gelernt, auch unter Druck in Verbindung zu bleiben. Sie wissen: „Wir sitzen im selben Boot. Wenn einer über Bord geht, wird es für alle schwerer.“

5 Übungen:Team-Resilienz stärken im Alltag

Genug Theorie. Was kannst du konkret tun, um die Resilienz in deinem Team zu stärken? Hier kommen fünf Übungen, die du direkt umsetzen kannst:

Übung 1: Der Stress-Barometer Check-in

Viele Teams warten zu lange, bis über Stress gesprochen wird. Diese Übung macht Belastung sichtbar, bevor es zur Krise kommt.

So geht’s:

Zu Beginn eines Meetings (oder auch täglich im Stand-up) teilt jeder auf einer Skala von 1-10 mit:

  • Wie hoch ist gerade mein Stresslevel?
  • Was bräuchte ich heute, um gut arbeiten zu können?

Wichtig: Keine Diskussion, keine Problemlösung in diesem Moment. Nur wahrnehmen und anerkennen.

Warum das wirkt:

Das schafft Transparenz. Alle wissen, wie es den anderen gerade geht. Und oft entlastet schon das Aussprechen: „Ich darf gestresst sein. Das ist ok.“

Übung 2: Die Ressourcen-Landkarte

Unter Stress fokussieren wir uns auf das, was fehlt. Diese Übung richtet den Blick auf das, was da ist.

So geht’s:

Sammelt gemeinsam (am besten visuell auf einem Flipchart oder digitalen Whiteboard):

  • Welche Stärken hat jeder Einzelne?
  • Was haben wir als Team schon gemeistert?
  • Welche Erfolge hatten wir in letzter Zeit?
  • Wer oder was gibt uns Kraft?
  • Welche Werkzeuge und Methoden haben uns schon geholfen?

Diese Landkarte hängt ihr auf. In schwierigen Zeiten könnt ihr sie rausholen und erweitern.

Warum das wirkt:

Sie erinnert euch daran: Wir haben mehr Ressourcen, als wir in diesem Moment vielleicht spüren. Und wir haben schon so viel geschafft.

Übung 3: Die „Wir schaffen das, weil…“-Runde

In herausfordernden Zeiten ist es wichtig, sich gegenseitig zu stärken.

So geht’s:

Jedes Teammitglied vervollständigt den Satz:
„Wir schaffen das, weil…“

Beispiele:

  • „…wir uns gegenseitig unterstützen“
  • „…wir schon so viel gemeinsam gemeistert haben“
  • „…wir ehrlich zueinander sind“
  • „…jeder seine Stärken einbringen kann“

Warum das wirkt:

Die Übung aktiviert das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Wir erinnern uns gegenseitig daran, dass wir als Team etwas bewirken können.

Übung 4: Regelmäßige Reflexions-Rituale

Resiliente Teams nehmen sich Zeit für Reflexion. Nicht nur, wenn etwas schiefgelaufen ist, sondern grundsätzlich.

So geht’s:

Plant regelmäßig (z.B. alle zwei Wochen) eine kurze Reflexionsrunde ein. Mögliche Fragen:

  • Was lief gut? Was hat uns geholfen?
  • Wo haben wir uns gegenseitig unterstützt?
  • Was hat uns Energie geraubt? Was könnten wir beim nächsten Mal anders machen?
  • Welche neuen Stärken haben wir entdeckt?
  • Was haben wir über uns als Team gelernt?

Warum das wirkt:

Reflexion schafft Lernen. Und sie zeigt: Wir entwickeln uns weiter. Wir bleiben nicht stehen.

Übung 5: Pausenrituale etablieren

Pausen sind nicht Luxus, sondern Notwendigkeit. Gerade resiliente Teams wissen das.

So geht’s:

Etabliert gemeinsame Pausenrituale. Das kann sein:

  • Ein kurzer gemeinsamer Spaziergang nach dem Mittagessen
  • Eine 5-Minuten-Pause zwischen zwei intensiven Meetings
  • Ein „Stopp“-Signal, wenn die Energie im Keller ist

Wichtig: Pausen sind nicht Zeichen von Schwäche.

Warum das wirkt:

Pausen regulieren das Nervensystem. Sie geben dem Gehirn Zeit zu verarbeiten. Und sie stärken die Verbindung im Team.

Team-Resilienz mit Pferden stärken

Pferde sind Meister darin, nonverbale Signale zu lesen. Sie spüren sofort, wenn wir gestresst, unsicher oder nicht authentisch sind. Und genau das macht sie zu wertvollen Lehrern für Team-Resilienz.

Warum Pferde?

In der Arbeit mit Pferden wird vieles sichtbar, was im Büroalltag unter der Oberfläche bleibt:

Kommunikation ohne Worte: Pferde reagieren auf deine Körpersprache, deine innere Haltung, deine Energie. Im Team bedeutet das: Ihr lernt, auch nonverbale Signale wahrzunehmen und klarer zu kommunizieren.

Präsenz und Klarheit: Pferde brauchen eine klare Führung. Nicht autoritär, sondern selbstsicher und präsent. Das ist auch im Team wichtig: Wer führt? Wer übernimmt Verantwortung? Und wie können wir uns dabei gegenseitig unterstützen?

Vertrauen aufbauen: Ein Pferd vertraut dir nur, wenn du authentisch und ruhig bist. Das gleiche gilt im Team. Vertrauen entsteht nicht durch schöne Worte, sondern durch echtes, verlässliches Verhalten.

Gemeinsam handeln: Viele Übungen mit Pferden erfordern Teamwork. Ihr müsst euch absprechen, aufeinander achten, gemeinsam Lösungen finden. Und dabei lernt ihr, wie ihr als Team unter Druck agiert.

Was passiert beim Teambuilding mit Pferden?

Stell dir vor, dein Team steht auf einer Weide. Vor euch ein Pferd. Eure Aufgabe: Führt das Pferd gemeinsam durch einen Parcours. Klingt einfach? Ist es nicht.

Denn das Pferd reagiert auf jede Unsicherheit, auf jede Unstimmigkeit im Team. Wenn zwei Leute gleichzeitig in verschiedene Richtungen wollen, bleibt das Pferd stehen. Wenn keiner die Führung übernimmt, passiert gar nichts. Und wenn einer hektisch wird, wird das Pferd unruhig.

Ihr lernt:

  • Wie kommuniziert ihr unter Druck? Wer übernimmt die Führung? Wer zieht sich zurück?
  • Wie geht ihr mit Fehlern um? Könnt ihr sie ansprechen und gemeinsam korrigieren?
  • Wie nehmt ihr einander wahr? Seht ihr, wenn jemand Unterstützung braucht?
  • Wie feiert ihr Erfolge? Nehmt ihr euch Zeit, das Geschaffte zu würdigen?

All das passiert nicht im Kopf, sondern im Erleben. Und genau deshalb bleibt es hängen.

Für wen ist das geeignet?

Du musst keine Pferdeerfahrung haben. Im Gegenteil: Oft sind gerade die Teilnehmer:innen, die noch nie mit Pferden zu tun hatten, am offensten für neue Erfahrungen.

Das Teambuilding mit Pferden eignet sich besonders für Teams, die:

  • eine intensive Phase hinter sich haben und sich neu sortieren wollen
  • Konflikte haben, die im Büroalltag nicht gelöst werden können
  • ihre Kommunikation verbessern wollen
  • einfach mal raus wollen aus dem gewohnten Umfeld und etwas Neues erleben möchten

Die ersten Schritte – klein anfangen, groß wirken

Team-Resilienz entsteht nicht über Nacht. Aber du kannst heute beginnen.

Drei kleine Schritte, die sofort wirken:

1. Sprich es an.

In der nächsten Teambesprechung: „Ich finde, wir sollten mal darüber sprechen, wie es uns eigentlich geht und was wir brauchen, um gut zusammenzuarbeiten.“

Schon diese Einladung kann etwas verändern. Du gibst anderen die Erlaubnis, auch über das zu sprechen, was sonst unter den Teppich gekehrt wird.

2. Mach eine Pause bewusst.

Nicht nur am Schreibtisch oder am Handy. Sondern wirklich. Raus, ein paar Minuten Stille, durchatmen.

Und vielleicht lädst du jemanden aus dem Team dazu ein. Manchmal entstehen die wichtigsten Gespräche beim gemeinsamen Spaziergang.

3. Erinnere an einen Erfolg.

Sag jemandem aus deinem Team: „Weißt du noch, als…? Das war richtig gut, wie wir das gemeistert haben.“

Erfolge zu würdigen stärkt das Vertrauen in die eigene Kraft. Und es erinnert daran: Wir haben schon so viel geschafft.

Team-Resilienz ist kein Sprint, sondern eine Haltung. Eine Entscheidung, gemeinsam durch dick und dünn zu gehen. Nicht weil wir müssen, sondern weil wir wollen. Weil wir wissen: Zusammen sind wir stärker.

Du möchtest mit deinem Team an der Resilienz arbeiten mit Pferden oder auf andere Weise? Melde dich gerne. Wir finden gemeinsam heraus, was zu euch passt.

Sabrina Bertholdt

Führungskräfte Coach, Sportmental­trainerin

Seit vielen Jahren begleite ich Führungskräfte und Sportler dabei, authentisch zu führen, Leistung abzurufen und gelassener zu werden.

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