Fußball Eltern: So unterstützt du dein Kind beim Spiel

Mentale Stärke im Sport

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Samstag, 10:30 Uhr auf dem Fußballplatz. Ben ist 13 und spielt in der C-Jugend. In der 23. Minute spielt er einen Fehlpass und der Gegner läuft allein aufs Tor. Noch bevor der Ball im Netz liegt, dreht Ben sich um. Sein Blick geht zur Seitenlinie, zu seinem Vater. Der schüttelt den Kopf.

Ben gibt es so nicht. Seine Geschichte habe ich aber in vielen Varianten gehört, von Spielern und von Eltern. Als Mentaltrainerin arbeite ich mit jungen Fußballerinnen und Fußballern an genau diesen Situationen. Als Fußballmutter stehe ich selbst am Spielfeldrand. Dort sehe ich Woche für Woche Mütter und Väter, die ihr Kind lieben und viel für den Fußball tun. Viele von ihnen machen Druck, ohne es zu merken: mit einem Kopfschütteln, einem Seufzer, einer Frage im Auto.

Dieser Artikel ist für Fußball-Eltern, die ihr Kind beim Spiel stärken wollen. Wir begleiten Ben durch einen Spieltag: vom Frühstück bis zur Rückfahrt.

Warum dein Kind nach einem Fehler zur Seitenlinie schaut

Nach dem Kopfschütteln spielt Ben anders. Er fordert den Ball nicht mehr. Bekommt er ihn doch, spielt er sofort quer oder zurück. Sein Trainer ruft „Geh ins Eins-gegen-Eins!“, aber Ben traut sich nicht mehr.

Nach einem Fehler suchen Kinder Orientierung. Sie wollen wissen: Ist das jetzt schlimm? Bist du enttäuscht? Die Antwort lesen sie in deinem Gesicht, in deiner Haltung, in einer kleinen Geste. Das passiert in Sekunden. Bens Vater hat das Kopfschütteln wahrscheinlich nicht einmal bemerkt. Ben hat es die nächsten 20 Minuten mit sich herumgetragen.

Sieht dein Kind bei dir Ruhe und Zuversicht, hakt es den Fehler schneller ab. Wie du am Spielfeldrand reagierst, entscheidet also mit darüber, wie dein Kind weiterspielt.

So unterstützt du dein Kind beim Fußballspiel

Vor dem Spiel: Ruhe mitgeben

Bens Spieltag beginnt am Frühstückstisch. Sein Vater sagt: „Heute schießt du mal ein Tor. Gegen die müsst ihr gewinnen.“ Ben nickt und isst sein Brötchen nur halb.

Solche Sätze sind gut gemeint und erhöhen trotzdem den Druck. Dein Kind hat die Anweisungen vom Trainer im Kopf. Vor dem Anpfiff braucht es vor allem ein gutes Gefühl. Ein Satz wie „Ich freu mich, dir zuzuschauen“ reicht. Er sagt deinem Kind: Du musst hier niemandem etwas beweisen.

Lass dein Kind auch die Sporttasche selbst packen. Bens Mutter hat das jahrelang für ihn erledigt. Seit Ben selbst an Schienbeinschoner und Trinkflasche denkt, geht er anders zum Platz: Es ist sein Spiel. Vergisst er mal etwas, lernt er daraus mehr als aus jeder Erinnerung.

Während des Spiels: anfeuern und das Coaching dem Trainer überlassen

Zweite Halbzeit. Ben bekommt den Ball an der Mittellinie. Von rechts ruft seine Mutter „Lauf!“, von links der Trainer „Spiel ab!“. Ben zögert eine halbe Sekunde. Der Ball ist weg.

Rufen Eltern taktische Anweisungen, hört dein Kind zwei Stimmen gleichzeitig. Was von draußen kommt, passt oft nicht zu dem, was der Trainer sagt. Dein Kind zögert und verliert damit im Fußball die entscheidende Sekunde.

Am Spielfeldrand bist du Fan. Feuere das ganze Team an. Klatsche bei gelungenen Aktionen und bei Einsatz, auch wenn daraus kein Tor entsteht. Ein Zweikampf, den dein Kind mutig annimmt, verdient genauso Applaus wie ein Treffer.

Nach einem Fehler: Rückhalt zeigen

Zurück zur 23. Minute. Stell dir vor, Bens Vater hätte nach dem Fehlpass kurz genickt und den Daumen gehoben. Ben hätte sich umgedreht und den nächsten Ball gefordert.

Schaut dein Kind nach einem Fehler zu dir, ist das dein wichtigster Moment im ganzen Spiel. Ein kurzes Nicken, ein Daumen hoch, ein ruhiges Gesicht reichen. Kommentare wie „Was war das denn?“ oder ein lautes Stöhnen lässt du besser weg. Dein Kind weiß selbst, dass der Pass danebenging. Von dir braucht es das Signal: Weiter geht’s, ich bin auf deiner Seite.

Deine eigene Anspannung im Griff behalten

Bens Vater meint es nicht böse. Er hat selbst Fußball gespielt, er kennt jede Situation auf dem Platz und er will, dass sein Sohn es schafft. Genau deshalb steht er 90 Minuten unter Strom.

Am Spielfeldrand zu stehen ist anstrengend. Du fieberst mit, ärgerst dich über Schiedsrichterentscheidungen und leidest bei jedem Gegentor. Kinder spüren diese Anspannung, auch aus 30 Metern Entfernung. Atme vor dem Spiel ein paar Mal tief durch und mach dir bewusst: Hier spielt mein Kind, ich schaue zu. Manche Eltern stellen sich absichtlich etwas weiter weg oder unterhalten sich während des Spiels mit anderen Eltern. Das nimmt Druck raus, bei dir und bei deinem Kind.

Was Fußball-Eltern nach dem Spiel sagen sollten: die Rückfahrt

Das Spiel endet 1:3. Ben steigt ins Auto, Kopfhörer schon in der Hand. Sein Vater startet den Motor und fragt: „Warum hast du in der 23. Minute nicht einfach zum Innenverteidiger gespielt?“ Ben steckt die Kopfhörer ein. Den Rest der Fahrt redet niemand.

Für viele Kinder ist die Autofahrt nach Hause der schwierigste Teil des Spieltags. Sie sitzen neben dir, können nicht ausweichen und die Analyse beginnt. Dabei ist dein Kind nach dem Spiel müde, enttäuscht oder aufgekratzt und kaum offen für Kritik.

Viele Eltern wollen das Gegenteil richtig machen und trösten: „Ist doch nicht schlimm“ oder „Ist doch nur ein Spiel.“ Für Ben war es aber schlimm. Er hat sich die ganze Woche auf das Spiel gefreut, sein Fehler hat zum Gegentor geführt und die Mannschaft hat verloren. Der Satz soll trösten. Bei deinem Kind kommt an: Was ich fühle, ist falsch. Kinder, die das oft hören, behalten Enttäuschung und Ärger irgendwann für sich. Hilfreicher ist es, das Gefühl zu benennen: „Das hat dich richtig geärgert.“ Wer sich verstanden fühlt, kann einen Fehler leichter abhaken.

Lass dein Kind entscheiden, ob es über das Spiel reden will. Viele erzählen von selbst, wenn sie merken, dass keine Bewertung folgt.

Sätze, die stärkenSätze, die besser ungesagt bleiben
Ich hab dir gern zugeschaut.Warum hast du da nicht abgespielt?
Das hat dich richtig geärgert, oder?Ist doch nicht schlimm.
Hat dir das Spiel Spaß gemacht?Der Trainer hätte dich auswechseln sollen.
Dein Zweikampf in der zweiten Halbzeit war stark.Mit so einer Leistung wirst du nie Stammspieler.
Willst du was essen?Das musst du nächste Woche besser machen.

Ein Satz hat sich in meiner Arbeit mit Familien besonders bewährt: „Ich hab dir gern zugeschaut.“ Er passt nach einem Sieg genauso wie nach einer Niederlage.

Fußball-Eltern und Trainer: Wer welche Rolle hat

Beim Abendessen ist das Spiel noch Thema. „Der Trainer hätte dich nie auf links stellen dürfen“, sagt Bens Vater. Ben sagt nichts. Am Dienstag beim Training steht er wieder auf links und fragt sich, ob sein Trainer überhaupt weiß, was er tut.

Ärger über Aufstellung, Spielzeit oder Position gehört zum Fußballalltag. Wie du damit umgehst, bekommt dein Kind genau mit. Kritisierst du den Trainer vor deinem Kind, gerät es in einen Loyalitätskonflikt. Auf dem Platz soll es dem Trainer vertrauen, zu Hause hört es, dass er falsch entscheidet.

Sprich Unzufriedenheit direkt mit dem Trainer an, in Ruhe und am besten ein bis zwei Tage nach dem Spiel. Dann ist der erste Ärger verflogen und das Gespräch bleibt sachlich. Ab etwa 12 Jahren kann dein Kind Fragen zur Spielzeit auch selbst stellen. Klärt es das selbst, stärkt das sein Selbstvertrauen.

Dasselbe gilt für andere Eltern am Spielfeldrand. Gespräche über einzelne Kinder aus der Mannschaft hören die Kinder oft mit, auch wenn sie leise geführt werden.

Leistungsdruck im Kinderfußball: Wann du handeln solltest

Ein paar Wochen später. Samstagmorgen, 8 Uhr. Ben kommt in die Küche und sagt, ihm ist schlecht. Am Sonntag vorher war es genauso. Unter der Woche geht es ihm gut, im Training spielt er stark. Am Abend vorher hatte seine Mutter erzählt, dass Paul aus seiner Mannschaft jetzt im NLZ spielt. „Der trainiert aber auch jeden Tag extra“, hatte sie gesagt.

Jedes Kind hat mal einen schlechten Tag oder keine Lust aufs Training. Aufmerksam solltest du werden, wenn sich Muster zeigen:

  • Dein Kind hat vor Spielen regelmäßig Bauchschmerzen oder schläft schlecht.
  • Im Training spielt es befreit, im Spiel fordert es kaum noch den Ball.
  • Nach dem Spiel setzt es im Auto sofort die Kopfhörer auf.
  • Es grübelt tagelang über Fehler oder spricht abwertend über sich selbst.
  • Es fragt, ob du beim nächsten Spiel zu Hause bleiben kannst.
  • Es will nicht mehr zum Fußball, obwohl es früher gern gegangen ist.

Bens Mutter wollte ihn motivieren. Ben hat gehört: Ich bin nicht gut genug. Vergleiche sind eine häufige Quelle für Druck, gerade weil sie so schnell gesagt sind. Will dein Kind eine Pause machen oder eine andere Sportart ausprobieren, nimm das ernst. Manche Kinder kommen nach einer Pause mit neuer Freude zurück.

Halten körperliche Beschwerden an, ist der erste Weg der zum Kinderarzt. Steckt Druck dahinter, kann Mentaltraining helfen. Ab etwa 12 Jahren arbeite ich direkt mit Spielerinnen und Spielern an Themen wie Selbstvertrauen, Umgang mit Fehlern und Nervosität vor dem Spiel. Wie junge Spieler Sicherheit aufbauen, liest du im Artikel Selbstvertrauen im Fußball stärken

Mentaltraining für Fußball-Eltern und Vereine

Vielleicht hast du beim Lesen an deinen letzten Samstag am Platz gedacht. An einen Satz im Auto oder an den Blick deines Kindes nach einem Fehler. Wer sein eigenes Verhalten bemerkt, kann es ändern. Das gelingt selten von einem Wochenende aufs nächste. Nimm dir für das nächste Spiel eine Sache vor, zum Beispiel den ersten Satz auf der Rückfahrt.

Eltern spielen im Fußball ihres Kindes eine größere Rolle, als vielen bewusst ist. Deshalb biete ich auch Elternabende für Vereine an. Dort geht es um das Verhalten am Spielfeldrand, um die Rückfahrt und darum, wie Eltern, Trainer und Kinder gut zusammenarbeiten. Informationen für Vereine findest du auf der Seite Fußball Mentaltraining

Im kostenlosen Kennenlerngespräch sprechen wir darüber, was dein Kind im Fußball gerade beschäftigt und ob Mentaltraining der passende Weg ist.

Sabrina Bertholdt

Führungskräfte Coach, Sportmental­trainerin

Seit vielen Jahren begleite ich Führungskräfte und Sportler dabei, authentisch zu führen, Leistung abzurufen und gelassener zu werden.

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